Vorschau

Ab Februar 2027
Sammlung Seefelder

17.04.–26.09.2027
Oliver Ressler
Sentient Seeds for a Scorched Earth

14.10.2027–16.01.2028
Gruppenausstellung
(re)Fabricated Realities

04.–05.12.2027
Gruppenausstellung
Jahresgaben 2027

OLIVER RESSLER

Sentient Seeds for a Scorched Earth

Achtsame Saat für eine verbrannte Erde

Mit Sentient Seeds for a Scorched Earth, der bislang umfassendsten Einzelausstellung Oliver Resslers in Deutschland, eröffnet der Kunstverein Ludwigshafen im April 2027 nach der Kernsanierung sein Stammhaus. Die Rückkehr in ein Gebäude, das selbst einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen hat, bildet den Ausgangspunkt für eine Ausstellung über Veränderung, Schutz und die Bedingungen des Fortbestehens. Zugleich wird Ludwigshafen – eine Stadt, in der Industrie, Infrastruktur und Transformation unmittelbar aufeinandertreffen – zum Resonanzraum der Ausstellung.

Biodiversität wird häufig über Zahlen, Schwellenwerte und Kategorien beschrieben. Diese Instrumente sind notwendig. Doch was gerät aus dem Blick, wenn Leben vor allem dort erfasst wird, wo es sich benennen, ordnen und messen lässt?

Sentient Seeds for a Scorched Earth begreift den Verlust biologischer Vielfalt deshalb nicht allein als ökologische Krise, sondern auch als eine Krise der Art und Weise, wie wir Natur verstehen, bewerten und schützen.

In Oliver Resslers Filmen, Fotografien, Zeichnungen und Installationen erscheinen Wälder immer wieder als umkämpfte Orte: bedroht durch Rohstoffabbau, Infrastrukturprojekte und ökonomische Interessen. Sie sind jedoch keine Kulissen politischer Konflikte. Sie werden zu Akteuren, Zeugen und lebendigen Archiven, in denen sich Zeit und Veränderung in Böden, Artengefügen, Wachstum, Zerstörung und Regeneration einschreiben. Der Wald erscheint so als ein anderes Modell von Wissen: relational, veränderlich und geprägt von gegenseitiger Abhängigkeit.

Resslers Arbeiten gehen von konkreten Orten und Konflikten aus und machen darin größere Zusammenhänge sichtbar. Einzelne Fälle verweisen auf politische Entscheidungen und ökonomische Vorstellungen von Wachstum, die weit über den jeweiligen Schauplatz hinausreichen. Zugleich fragen sie nach anderen Formen von Kontinuität: Wie lässt sich etwas bewahren, das nur fortbesteht, indem es sich verändert? Was bedeutet Schutz, wenn sein Gegenstand niemals statisch ist?

Zur Wiedereröffnung des Kunstvereins verbindet Sentient Seeds for a Scorched Earth diese Fragen mit einem Ort, der selbst neu betreten und neu gedacht werden muss. Was kann eine Institution, deren Aufgabe auch im Bewahren und Vermitteln liegt, von lebenden Systemen lernen, deren Fortbestehen nicht auf Stillstand, sondern auf Anpassung, Beziehung und Regeneration beruht?

Oliver Ressler ist Künstler und Filmemacher. In seinen Filmen, Installationen und Arbeiten im öffentlichen Raum beschäftigt er sich mit politischen und ökonomischen Machtverhältnissen, Klimakrise, Migration, Widerstandsformen und gesellschaftlichen Alternativen.

Einzelausstellungen und Überblickspräsentationen seiner Arbeit fanden unter anderem im Berkeley Art Museum, im Museum of Contemporary Art Belgrad, im Kunsthaus Graz, im Lentos Kunstmuseum Linz, im Belvedere 21 in Wien, im Centro Andaluz de Arte Contemporaneo in Sevilla, bei SALT Galata in Istanbul sowie im National Museum of Contemporary Art in Bukarest statt. Seine Arbeiten wurden zudem im Museo Reina Sofía, im Centre Pompidou, im Van Abbemuseum, im MASS MoCA und im CCK Buenos Aires gezeigt sowie auf zahlreichen internationalen Biennalen, darunter Venedig, Lyon, Taipeh, Göteborg und Helsinki, und auf der documenta 14.

Von 2019 bis 2023 realisierte Ressler das vom FWF geförderte Forschungsprojekt Barricading the Ice Sheets zur Klimagerechtigkeitsbewegung, das in mehreren internationalen Einzelausstellungen präsentiert wurde.